HISTORY

Im Jahr 1817, als der 21 jährige Carl Ludwig Sand nach Jena ins Zentrum der Burschenschaften zog, hatten diese eine enttäuschende Zeit hinter sich. Die nationale Aufbruchstimmung war mit dem Sieg über Napoleon in Vergessenheit geraten und der 1815 auf dem Wiener Kongress geschaffene „Deutsche Bund“ nicht mehr als ein lockerer Zusammenschluss von Einzelstaaten. Ihrer Ohnmacht gegenüber der Obrigkeit machten die Studenten am 18. Oktober 1817 auf der Wartburg Luft, indem sie dort symbolisch Bücher, die aus ihrer Sicht nationalfeindliche „Schandschriften“ enthielten, ins Feuer warfen. Darunter befand sich auch ein Werk des meistaufgeführtesten Schriftstellers seiner Zeit, August von Kotzebue. In seiner „Geschichte des Deutschen Reiches“ verteidigte Kotzebue, der als Beamter am russischen Zarenhof Karriere gemacht hatte, die absolute Monarchie als beste Staatsform.


In den darauf folgenden Monaten griff Kotzebue die Burschenschaften in Zeitungsartikeln öffentlich an, verspottete die nationale Bewegung als „Turn- und Studenten-Unwesen“ und degradierte die Idee einer geeinten deutschen Nation zur Spinnerei.


„Wenn ich so sinne, so denke ich oft, es sollte doch einer mutig über sich nehmen, dem Kotzebue das Schwert ins Gekröse zu stoßen“, schrieb Carl Sand im Mai 1818 in sein Tagebuch. Kurz darauf schloss er sich einer kleinen extremen Splittergruppe der Jenaer Burschenschaft an, den „Unbedingten“. Anführer dieser Gruppe war der Privatdozent und Rechtsgelehrte Karl Follen, der radikale Mittel und den gewalttätigen Umsturz für die Erreichung einer deutschen Republik für legitim hielt. Im Frühjahr 1819 beschloss Carl Sand, von den Ansichten und Worten Follens fasziniert und inspiriert, ein Fanal zu setzen. Er machte sich auf den Weg nach Mannheim um dort ein Attentat auf den verhassten Kotzebue zu begehen und damit das Volk für die deutsche Sache wachzurütteln.


Die von Sand erwünschte Wirkung blieb aus. Es gab weder Revolution noch Revolte, obgleich Sands Tat bei einigen in der Bevölkerung durchaus Zuspruch und Bewunderung fand.

Die Obrigkeit reagierte schnell. Im August 1819 wurden von den Ministern der deutschen Staaten die sogenannten „Karlsbader Beschlüsse“, eine Reihe antiliberaler Gesetze, verabschiedet. Es folgte eine Verhaftungswelle von Patrioten und Oppositionellen im ganzen Land. Die Burschenschaften wurden verboten, über viele Jahrzehnte wurden Pressefreiheit und andere liberale Grundgedanken im Keim erstickt.